Ein Hut für Jack Napier. Mond-Limousine 5984.

Ganz manchmal drängt sich ja doch der Eindruck auf, bei Lego dächte jemand mit. Hier zum Beispiel. Die Joker-Figur aus Legos Batman-Serie hatte alles, was der Joker braucht, bis auf einen akkurat gefärbten Hut. Das scheint auch den Set-Entwicklern aufgefallen zu sein, und so setzten sie den benötigten Hut einfach einer anderen Figur aus einer anderen Serie auf.

Klick mich, ich bin ein Link!Natürlich kann diese Farbe nicht jeder tragen, aber Brick Daddy kann. Kunststück, arbeitet er doch in derselben Branche wie der Joker. Oder läßt arbeiten, denn er ist eindeutig der Boß. Der schleimige Kopf des interstellaren Verbrechersyndikats läßt sich stilvoll in einer aufgepimpten Stretchlimo durch die Orbits chauffieren. Diese Limo hätte noch aufgepimpter sein können, wenn ich mich hätte dazu entschließen können, die zugehörigen Aufkleber auf die fettigen Steine zu kleben. Konnte ich aber leider nicht.

Klick mich, ich bin ein Link!Brick Daddys erster Handlanger ist Jawson, ein entsprungener Zuchthäusler mit der Nummer 245633 von tiefseefischenem Körperbau. Seine Gefängniskluft scheint die einzige Klamotte zu sein, die ihm paßt, warum sonst hätte er sich ihrer noch nicht entledigt? Sobald er sich hinsetzt, raspelt er sich die Kronjuwelen ab (wahrscheinlich eh gestohlen), aber das ist ja nicht unser Problem. Vielleicht besser so, wenn diese Spezies sich nicht auch noch vermehrt.

Die Pimplimousine selbst ist eine Mischung aus Batmobil, Boss Hoggs Cadillac (in schwarz und mit Dach und überhaupt ganz anders) und einer Prise Donbot-Vehikel aus der Fernsehserie Futurama, irgendwie. Sollte mich wundern, wenn die Raumlimousine der Robotermafia nicht für dieses Set – haha! – Pate gestanden hätte.
(Bilder = Links. Mehr Text unten.)

Die Form des Chassis folgt der Designlinie fast aller Alien-Vehikel der Space-Police-Serie, mit x-förmigen Flügeln und hinten seitlich angesetzten Triebwerken, bleibt also der Corporate Identity der Alienmafia treu. Was der arglose Verkehrsteilnehmer für die Motorhaube halten könnte, verbirgt in Wahrheit eine 16mm-Kanone, stilvoll überkrönt von einer güldenen Kühlerfigur, einer Büste des Chefs. Etwas selbstverliebt vielleicht. Es gibt überhaupt viel Bling an diesem Gefährt… Geflieg, whatever.

Den Motor zu vergolden schadet nichts, wenn er eh bloß Attrappe ist. Die Triebwerke sind ja bilateral ausgelagert.

Der Kofferraum ist geräumig. Im Bild verlangt ein namenloser, leicht faschistoider Space-Bulle gerade den Verbandskasten zu sehen. Ist natürlich keiner vorhanden.

Dieser prekären Situation vermag sich Brick Daddy mit Hilfe eines (in der Tat vorhandenen) Pimppods zu entziehen. Das Teil ist zwar alles andere als komfortabel, doch es erfüllt seinen Zweck: Hauptsache weg!

In den geräumigen Kofferraum paßt dieser Pimppod allerdings nicht, so sehr sich Jawson auch bemüht, die Klappe zuzudrücken.

Daher muß das Fluchtmittel in der Kabine mitgeführt werden, was dortselbst zu einer qualvollen Enge beiträgt, so ganz gegen die Erwartung beim Betrachten der Limousine von außen.

Damit das Blingmobil beim Beschleunigen auch amtlich aus den Hinterhufen kommt, hat es unterseits nur vorne Gleitnoppen. Die dadurch entstandene Dreipunktlagerung wirkt zwar der Biege- spannung entgegen (bei einer Länge von 35 cm unvermeidlich) und legt das Vehikel stabil auf die Milchstraße. Doch aufgrund der mangelnden Stütze im hinteren Bereich schlägt es auch jedesmal hart und laut auf die Tischplatte auf, wenn man Daddy an seinen Platz setzt oder die Kofferraumklappe schließt.

Anders als zum Beispiel beim City LKW 3221 hat beim Set 5984 der große Karton seine Berechtigung. Denn das Pimpmobil kann fast vollständig in diesem Karton parken. Einzig die Antenne muß abgeschraubt werden, aber das kennt man ja von der Waschstraße.

Insgesamt halte ich dieses Set für sehr gelungen. Ein Hauch von spaßiger Absurdität umweht ja die ganze Space-Police-Serie, und in dieses Bild paßt auch die Idee einer solchen Stretch-Limo im Weltall. Die Ausführung des Modells ist sauber und routiniert und geizt nicht mit Anspielungen auf die wirkliche und fiktionale Welt der Popkultur. Es bietet spielwertige Gimmicks und dank stabiler Seitenschweller auch einen ordentlichen Swoosh-Faktor. Während der Spacepolizist gewohnt langweilig daherkommt, haben die Alienfiguren das Zeug zum Kultstatus. Es ist freilich ein gewagter Schritt von Lego, das Zuhältermilieu ins Kinderzimmer zu tragen.
Übrigens leuchtet Brick Daddy im Dunkeln, wenn man ihn läßt:

So sehr es mich auch freut, wenn Lego den Sets deutsche Namen zuweist, wäre in diesem Fall der englische Name besser gewesen. Dieser lautet „Lunar Limo“, was allemal eingängiger ist als die deutsche Übersetzung „Mond-Limousine“. Zu Zeiten, da Classic Space noch Legoland Raumfahrt war, hätten sich die Katalogbenamser nicht gescheut, solch eine anglophone Bezeichnung zu verwenden. Aber das ist nur eine marginale Kritik.

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One Response to Ein Hut für Jack Napier. Mond-Limousine 5984.

  1. Siegfried sagt:

    Hallo,

    ich schaue ja mittlerweile fast täglich hier hinein, immer in der Hoffnung, wieder eine dieser köstlichen Rezensionen, oder MOC-Vorstellungen einsehen zu können.

    Nur das mit dem Hut für den Joker, der ist doch schwarz?(!) In dieser Farbe ist er wenigstens bei Google Bilder unter der Suche „joker batman“ auf Seite 1 Bild NR.17 zu sehen. Ob das Bild jetzt nun wieder echt ist, weiß ich nicht, bin kein Fledermausmann Fan.

    Interpunktions, sowie Rechtschreib und Grammatikfehler bitte ich zu entschuldigen.

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