Alles ist eitel. Und eine kleine MOC-Geschichte.

Auch ich, wie ich leider zugeben muß. Eitel, meine ich. Wenn ich Bilder meiner Lego-Eigenbauten (MOCs, „My Own Creations“) im Internet veröffentliche, etwa bei BrickShelf oder Flickr und im Forum von 1000steine.de, dann hoffe ich natürlich auf wohlwollende Reaktionen. Erfolgen diese, schmeichelt mir das; bleiben sie aus, beschleicht mich eine gewisse Enttäuschung. Höchstwahrscheinlich empfindet jeder so, denn wer wäre nicht stolz auf sein Werk?

So habe ich auch regelmäßig, das heißt: ziemlich oft, auf meiner Flickr-Seite nachgeschaut, ob es auf dieses kleine Mykene-MOC Reaktionen gab. Und ja, es gab, zum Teil beflügelt dadurch, daß es unerwarteterweise sogar bei The Brothers Brick gezeigt wird. Was mir natürlich wieder schmeichelt.

Einige Kommentatoren heben gezielt einzelne Details hervor, bisweilen solche, an die man selbst beim Bauen gar nicht gedacht hatte. Oder solche, die der Kommentator für wohldurchdacht und eigens für das vorliegende Bauwerk entworfen hält. Und es ist ja auch gut, wenn ein MOC wohldurchdacht und wie aus einem Guß wirkt, denn genau das soll es ja. Ist es aber oft gar nicht.

Schon lange spukt in meinem Hirn der absurde Gedanke umher, daß Agamemnon bei seiner Rückkehr aus Troja nicht erschlagen wurde, weil er dem Liebhaber seiner Frau im Wege stand, sondern weil diese ob seiner späten Heimkehr erzürnt war, mit zehn Jahren Verspätung eben. Klischeegemäß wäre das Corpus delicti dieser Familientragödie dann ein Nudelholz gewesen. Diese Szene in Lego zu ..äh.. malen, schwob mir also schon länger vor, doch zum Glück kam ich nie dazu. Bis es nun endlich diese Spartanerfigur* von Lego gab – da war Agamemnon fällig!

Und dennoch war der Auslöser zum Bau des MOCs noch ein anderer. Denn ich hatte mit neuen 1×3-Fliesen (schwarz) herumgespielt und daraus ein Möbelstück geschreinert, das in eine solche Szene gepaßt hätte. Wenn ich denn diese Fliesen in weiß gehabt hätte. Hatte ich aber nicht, also bestellte ich flugs welche. Sodann sah ich in Monicas Schlafzimmer in Friends (siehe vorstehenden Blog-Eintrag) ein hübsches Bett, welches ich eine Nacht lang (fast) vergeblich nachzubauen versuchte. Als dies schließlich (fast) gelang, ging mir auf, daß es vielleicht in einem umfassenderen MOC besser aufgehoben wäre, denn als bloßes Einzelstück. Darum strackste ich anderntags in die Stadt, um mir die Spartanerfigur* zu besorgen, bastelte zudem eine Klytaimnestra zusammen, rezyklierte meine alte Nudelholzidee, diesmal in braun, und zog rasch beige Wände hoch. Und fluchte über die Unmöglichkeit, eine Öllampe zu bauen. Und warf wegen erwiesener Klobigkeit das MOC-auslösende Machwerk aus 1×3-Fliesen wieder aus dem Programm. Eine Öllampe gelang schließlich. Als ich jedoch die Kamera zückte, um Klytaimnestra in flagranti beim Mord an ihrem Gatten zu erwischen, kam mir die Szenerie ziemlich dürftig vor.

Also baute ich eine Säule in die Ecke und fügte ein Fenster ein. Die Gitterstruktur des Fensters brachte mich auf den Gedanken, über dem Bett ein Zäunchen als Regalbrett anzubringen und darauf eine der Heroenmikrofiguren aus dem Minotaurus-Spiel zu stellen. Aber das genügte noch immer nicht. Für glaubwürdiges antikes Flair fehlte noch ein Mäanderband, das sich an den Wänden entlangzog. Da sollten blaue und weiße Lampeneiner Abhilfe schaffen. Es mußte doch möglich sein, damit eine brauchbare Schmuckstruktur zu erzeugen! War es aber nicht, sondern alle Versuche sahen – mit Verlaub – scheiße aus. Seufz, also die große Lösung mit Plättchen und hochkantgestellten Fliesen. Ich gewann die Einsicht, daß ich neuwertige blaue 1×1-Platten in meinen Teilebestellungen bisher arg vernachlässigt hatte, aber es reichte knapp. Fertig, Kamera wieder in Anschlag. Ja und nee.

Die zwischen den blau und weiß mäanderten Wänden schmucklos beige aufragende Säule wirkte wie ein Fremdkörper. Und überhaupt blickte die Kamera oben über die Wände hinaus. Es mußte eine Zimmerdecke her und das Mäanderband sich über die Säule erstrecken, ein Detail, welches bei den Betrachtern offenbar Anklang findet. Gedacht, getan. Doch auch beim drittmaligen Anlegen meiner Kamera setzte ich diese wieder ab. Durch die geöffnete Tür hindurch blickte man ins Nichts, und das ist ja nichts. Na gut, jetzt blickt man durch die geöffnete Tür hindurch auf etwas, was wohl die wenigsten als das unruinierte Löwentor von Mykene identifizieren, aber wenigstens ist da jetzt was.

Jedenfalls. Auch im einfachsten Ein-Bild-MOC steckt mehr Gepfriemel, als der Betrachter glauben soll. Und es ist stets ratsam, mit der Veröffentlichung von Bildern einen Moment zu warten, weil einem doch noch ein Detail einfallen könnte, das unbedingt noch mit aufs Bild sollte.

*) Die natürlich auch sonstweder antike griechische Soldat sein könnte.

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