Fronleichnam

Der seit vielen, vielen, vielen (vielen) Jahren allseits beliebte Kalauer „Happy Cadaver“ ist ja so unwitzig wie falsch. Man macht also nichts kaputt, wenn man den ..naja.. Witz aufdröselt und erklärt. Denn mit „froh“ hat „Fron“ natürlich nichts zu tun. Im Gegenteil, möchte man sagen. Im Mittelhochdeutschen bedeutete „fron“: „Dem Herrn gehörig“, vor allem dem Grundeigentümer, auf dessen Äckern die Bauern eine gewisse Anzahl Tage im Jahr Frondienste leisten mußten. Im religiösen Sinne ist dieser Herr eben „der HErr“*.
Aber auch der „Leichnam“ bezeichnet nicht unbedingt einen toten Körper, sondern vielmehr einen sterblichen Körper, durchaus auch im lebendigen Zustand.

Das Fronleichnamsfest ist demnach das Fest von der körperlichen Gegenwart des Herrn*. Gemäß dem Jesuswort „Nehmet, das ist mein Leib.“ (Mk. 14,22), mit dem er beim letzten Abendmahl den Jüngern das Brot reichte, soll sich diese körperliche Anwesenheit nun auch bei jeder Eucharistiefeier wiederholen; der Katholik mampft also nicht bloß auf einer Oblate, sondern tatsächlich auf Jesus selbst herum. Daß dies so sein würde, hat Jesus wahrscheinlich nicht vorausgesehen, sonst hätte er sich wohl gehütet, solche Worte zu sagen. Er konnte ja nicht ahnen, daß ein vernunftbegabtes Wesen (angeblich der Mensch) aus einer bloßen Symbolik ein absolut unlogisches Dogma machen und seine gottgegebene Intelligenz verleugnen würde. Mir ist zumindest nicht bekannt, daß Jesus angeordnet hätte, in eigens dafür erbauten Kirchen, gewandet in lustige Gewänder und lateinisches Zeugs murmelnd, sich brot-unähnliche Eßpappen an den Gaumen zu kleben und sich vorzustellen, das sei sein, Jesu, höchsteigener Leib, den man da mit der Zunge umspiele. Wenn bei Lukas (Lk 22,19) zusätzlich noch steht „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“, so darf man davon ausgehen, daß wir uns jedesmal, wenn wir in trauter Runde beisammensitzen und essen, vorstellen sollen, daß Jesus unter uns ist, und nicht nur, wenn ein Priester anwesend ist und Zinnober veranstaltet. Aber was reg’ ich mich auf, ich bin ja nicht katholisch. Aber wohl auch nicht so richtig evangelisch, wie mir gerade bewußt wird, denn auch in der evangelischen Kirche gilt das Abendmahl als Sakrament. Ich bin also areligiös, nun ist’s raus!

*) Für komplette Ignoranten auch noch mal deutlicher: Gott.

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One Response to Fronleichnam

  1. Bei „uns“ Freikichen gibt es keine Sakramente. Wohl aber das Abendmahl. :-)

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