Na, wenigstens etwas.

In einer weiteren verlorenen Bundesliga-Saison hat dann am Ende wenigstens der SC Freiburg den Klassenerhalt geschafft, mit Minimalbudget und ohne Trainerwechsel. Sehr schön! Aber ansonsten: Gähn. Der FC Bayern ist Deutscher Fußballmeister, Glückwunsch, Hans Jörg Butt.

Als unvorbereiteter Ersthörer der ARD-Bundesliga-Konferenz hätte man den Eindruck gewinnen können, die Bayern hätten Sensationelles geleistet, so euphorisch bejubelte das Reporterdoppel jedes Tor in München. Damit hätte ja auch niemand rechnen können, daß der Tabellenführer gegen den bärenstarken mäusegrauen VfL Bochum tatsächlich gewinnt. Welch extraordinäre Spannung! Ein Verein wird Meister, der, wenn’s mal nicht so läuft, flugs einen zweistelligen Millionenbetrag für einen Weltklassespieler von Real Madrid hinblättert, damit es dann wieder läuft. Was bleibt einem da, als sich in neidvollen Sarkasmus zu flüchten? Ich hätte eine Schalker Meisterschaft in Kauf genommen, bloß damit diesem Gebahren des FC Bayern kein Erfolg beschieden gewesen wäre. Aber das war natürlich eine Illusion. El Cattivo behält nun mal Recht.

Und dann sind da noch die Reportermimen am Spielfeldrand. Nachdem der FC Schalke gegen Werder Bremen verloren hatte und damit seine Meisterschaftshoffnung endgültig begraben mußte, frug die Mikrophonhalterin den Schalker Torhüter Neuer doch allen Ernstes: Ob er denn trotz aller Enttäuschung dem Deutschen Meister gratulieren wolle? Manuel Neuer: „Klar, wir sind ganz schön enttäuscht, aber gratulieren kann man natürlich.“ Die Reporterin: „Na, dann machense das doch mal!“ Ich konnt’s nicht glauben.

Soweit ist es also nun. Die Medien bauschen den Fußball (also die Institution „Fußball“, nicht das Spielgerät) zu einem ach so spannungsgeladenen Event auf, lassen sich für die Tore feiern, über die sie eigentlich nur berichten sollen („Bei uns in der ARD-Schlußkonferenz fallen die Tore, das verspreche ich Ihnen, meine Damen und Herren!“), reden Brisanz herbei, wo aus sich selbst heraus keine wäre („…und jetzt wackelt auch der Stuhl von Trainer [Name einfügen].“), schüren Emotionen, deren Auswirkungen sie im Zweifelsfall dann wieder verurteilen (Immer diese sogenannten „sogenannten Fans“ mit ihrer stimmungsvollen verdammenswerten Pyrotechnik!) und halten sich für journalistisch relevant, wenn es ihnen gelingt, nach Spielschluß den abgekämpften Fußballern nichtssagende Statements zu entlocken („Wie groß war der Stein, der Ihnen nach dem Ausgleich vom Herzen fiel?“). Nun fordern sie also auch noch die Kontrolle über das Gratulationsverhalten enttäuschter Spieler ein.

Wohl auch darum entfuhr mir gestern ein spontanes „Scheiße!“, als ich im Radio von Heiko Herrlichs Entlassung als Trainer des VfL Bochum erfuhr. Denn wie man in diesem Video bei eyeP.tv ab etwa Minute 4:50 sehen kann, ließ der sich nicht ohne Gegenwehr auf das Spielchen, das vielbeschworene „Geben und Nehmen“ ein, vor allem nicht, solange er an dem Ende saß, an dem er’s abbekam. Dafür gibt es von mir zwei Zustimmungsdaumen. Wird ihm egal sein.

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