Buch der Woche: Der Herr der Ringe

Der Herr der Ringe ist ein moderner Klassiker von J. R. R. Tolkien aus dem Jahre 1954 (Deutsch 1969), ein Roman, der als Kinderbuch beginnt und sich zu einer Geschichte voller Abenteuer, Mythen und Verzweiflung entwickelt, den ewigen Kampf von Gut gegen Böse beschreibt und am Ende gut ausgeht. In einer Mischung aus Märchen und altenglischer Volkssage treten hier Zauberer und Zwerge; Menschen und Elben; Drachen, Trolle und magische Tiere; Orks und Hobbits auf, sogar die Geister Verstorbener und sprechende Bäume.

Der einzige, der eigentlich nicht in Erscheinung tritt, ist der Herr der Ringe selbst. Das ist ein gewisser Sauron, eine Art Halbgott, der die Zauberringe der Elben, Zwerge und Menschen beherrschen wollte und zu diesem Zweck seine eigene Macht in den Einen Ring schmiedete. Sehr bald aber muß er einsehen, daß das eine blöde Idee war, denn als ihm dieser Ring vom Finger geschnitten wird, ist seine Macht dahin und er muß Jahrtausende lang als körperloser Geist darauf warten, daß seine Diener diesen scheiß Ring wiederfinden und er seine Stärke zurückerlangt. Überhaupt ist der Plan mit dem Beherrschenwollen der anderen Ringe so gut wie fehlgeschlagen, insofern als die Elben, mit ihren Drei Ringen, viel zu rein und weise sind, als sich von einem schnöden Ring der Macht beherrschen zu lassen. Die Zwerge ihrerseits, deren Fürsten Sieben Ringe besaßen, sind zu starrköpfig und scheren sich nicht um die machtpolitischen Interessen anderer. Die meisten ihrer Ringe gehen irgendwann verloren, einige gelangen zurück in Saurons Besitz. Einzig bei den Menschen hatte Sauron einen gewissen Erfolg, aber auch das nur zum Teil. Denn der Menschen sind viele, und sie sind untereinander uneins. Mit den neun Ringen, die Sauron unter ihre Vornehmsten verteilte, konnte er nicht alle Menschen beherrschen. Lediglich die Träger der Neun Ringe wurden zu seinen Sklaven, ihre Reiche zerstarben, konnten jedoch nicht von Sauron beherrscht werden. Und dann ging ihm, dem Dunklen Herrscher, sein eigener Ring flöten. Schön blöd, seine Seligkeit an ein kleines, verlierbares Ding zu knüpfen. Doch immerhin, dieser Ring übt auf die eine oder andere Weise Einfluß auf die anderen Ringe aus, und sei es nur, daß sein Vorhandensein den anderen Ringträgern Wachsamkeit auferlegt und sie zu einem Leben in Abgeschiedenheit zwingt, wie mit den Elbenringen geschehen.

Der Eine Ring findet über Zwischenstationen seinen Weg in die Hand eines Hobbits, Bilbo Beutlin geheißen, Angehöriger eines Volkes von Halblingen, deren Existenz Sauron einst wohl nicht einmal bekannt war, er sie zumindest aber nicht ernstnahm, weshalb sie keine Ringe der Macht erhielten. Gut so, denn so sind diese Hobbits bemerkenswert unempfänglich für die Macht des Rings. Darob kann auch niemand anderes als ein Hobbit diesen Ring zum Schicksalsberg bringen, dem einzigen Ort, an dem er zerstört werden kann, denn dort wurde er gemacht. Die Aufgabe fällt Bilbos Neffen Frodo zu, und so begibt sich dieser im Schutze einer Gemeinschaft aus vier Hobbits (neben Frodo selbst sein Gärtner Samweis Gamdschie und seine Vettern Meriadoc „Merry“ Brandybock und Peregrin „Pippin“ Tuk), zwei Menschen (Boromir, der Sohn des Statthalters von Gondor, und Aragorn, im Exil lebender rechtmäßiger Erbe des Throns von Gondor), einem Elben (Legolas, Sohn des Königs von Düsterwald), einem Zwerg (Gimli, Glóins Sohn) und einem „Zauberer“, Gandalf, der eigentlich ebenfalls ein Halbgott ist und nach Mittelerde gesandt wurde, um diese Welt vor dem bösen Einfluß Saurons zu bewahren, auf die abenteuerliche Reise. Das Buch ist quasi ein mittelalterliches Road-Movie.

Nach vielen Irrungen und Wirrungen, wütenden Schlachten und listenreichen wie heldenhaften Taten gelingt das Werk, und Sauron wird vernichtet. Näheres möge bitte im Buch nachgelesen werden, zur Not gäbe es aber auch eine oscarüberhäufte Filmtrilogie. Es ist dies der Sieg der Freundschaft, des Vertrauens, des Mitleids, des Überwindens der Verzweiflung und des Glaubens an das Lebendige und Richtige über den rücksichtslosen Machtwillen und die einsame, seelenlose Selbstsucht. Schön wäre es, wenn die wirkliche Welt ebenso funktionieren würde, aber El Cattivo weiß es besser.

Mit dem Herrn der Ringe schuf der Linguistik-Professor John Ronald Reuel Tolkien nicht nur einen lesenswerten Abenteuerroman, sondern vor allem ein ganze Welt. Denn Mittelerde, der Ort der Handlung, wurde von ihm bis ins Kleinste vom Ursprung seiner Gottheiten über die Erschaffung der Welt und ihrer Bewohner bis über die Handlung des Romans hinaus ausgearbeitet, mit besonderem Augenmerk auf die Sprachen der einzelnen Völker. Dieser Detailreichtum war ohne Vorbild und wird auch nur selten wiederholt, geschweige denn übertroffen. Gleichzeitig wurde Tolkien mit dem Buch zum Vater der Fantasy-Literatur, deren Autoren sich allesamt nicht von diesem Einfluß freisprechen können, dies aber auch kaum wollen.

Lego stellt die Drei Ringe der Elben auf dem Buchumschlag dar. Nebst einem Besen, dem traditionellen Fluggerät der Zauberer:

Quidditch kommt im Herrn der Ringe nicht vor; weiß der Deibel, wo Joanne K. Rowling das herhat. Der einzige sportliche Wettkampf, der bei Tolkien Erwähnung findet, ist das wettbewerbsmäßige Abmurksen von Orks, das Gimli und Legolas zelebrieren. Ansonsten aber ist auch der Harry-Potter-Zyklus ohne den Herrn der Ringe nicht denkbar. Erwähnt sei hier nur der lange Zeit körperlos bleibende Hauptschurke Voldemort. Das Lego-Buch, mit seinem schön gestalteten Rücken eine Zierde für jedes Buchregal, ist Teil der Sets 4719 und 4726.

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