Buch der Woche: Äpfel, Nuß und Mandelkern

Allenthalben wird auf Weihnachten zugehetzt. Es wird also höchste Zeit, sich dem Trend anzuschließen und ebenfalls etwas Weihnachtsfeeling in diesen Blog zu bringen. Wo sich doch schon geweigert wurde, hier diese albernen GIF-Schneeflocken durchs Bild flimmern zu lassen. Und doch sind diese Schneeflocken ein gutes Stichwort, denn eine gewisse Paula Dehmel dichtete einst:

Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf,
Es riecht nach Weihnachtstorten.
Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
Und bäckt die feinsten Sorten.

Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,
Sonst nehmt den Operngucker:
Die große Himmelsbüchse, seht,
Tut Ruprecht ganz voll Zucker.

Er streut – die Kuchen sind schon voll –
Er streut – na das wird munter:
Er schüttelt die Büchse und streut und streut
Den ganzen Zucker runter!

Ihr Kinder sperrt die Mäulchen auf,
Schnell! Zucker schneit es heute;
Fangt auf, holt Schüsseln – ihr glaubt es nicht?
Ihr seid ungläubige Leute!

Dieses Gedicht findet sich zur Hälfte, nämlich die erste und dritte Strophe, im Weihnachts-Pixi-Buch „Äpfel, Nuß und Mandelkern“, welches weihnacht- und adventliche Kindergedichte aus mehreren Jahrhunderten enthält, nebst niedlichen Illustrationen. Dieses Büchlein war Teil einer ganzen Reihe von Weihnachts-Pixi-Büchern, mindestens acht, die ich auch alle besaß, deren eines aber meine Mutter zwischenzeitlich an ein anderes Kind in der Verwandtschaft verschenkte. Darum fehlt mir das zweite Heftchen aus der Reihe: „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, 4. Auflage 1973.

Von solchen Kinderbüchern kann man natürlich keine wissenschaftliche Herangehensweise ans Material erwarten. Darum vermißt man in den Büchern auch den Quellennachweis, so daß ich gerade erst durch eine Google-Suche die Urheberin des oben zitierten Gedichts ermitteln konnte. Desgleichen war mir bis neulich nicht bekannt, daß Theodor Storm „Von drauß’ vom Walde komm’ ich her“ gedichtet hat, Joseph von Eichendorff für „Markt und Straßen stehn verlassen“ verantwortlich ist, und daß „Morgen, Kinder, wird’s was geben“ bereits aus dem 18ten Jahrhundert stammt. Wiewohl ich letzteres immer geahnt hatte, denn da ist von Reiterpferdchen, Malchens netter Schäferin und Scherenschnitten die Rede, und auch die Zeichnungen deuten auf einen Rokoko-Ursprung hin. Alle diese Gedichte kannte ich als Kind dank der Weihnachts-Pixi-Serie auswendig.

Doch zurück zu Äpfeln, Nuß und Mandelkern. In diesen Tagen kurz vor Weihnachten läuft die Weihnachtsbäckerei auf Hochtouren. Glücklicherweise hat auch Lego ein Backbuch herausgegeben:

Entgegen den vorherigen Büchern auf dem Büchertisch stammt dieses Buch aus einem Belville-Set (5862) und ist nicht beklebt, sondern bedruckt. Darum sind zwar die Seiten im Innern leer, aber dafür ist der Buchrücken verziert. Warum jegliches für Mädchen gedachte Spielzeug immer rosa sein muß, weiß auch nur Lego, die Firma, allein. Immerhin kann nicht bloß die Blumenfee Küchlein¹ backen, sondern auch die züchtige Hausfrau.²

¹) Ein „Küchlein“ kann freilich auch ein Diminuitiv (Verkleinerungsform) von „Küken“ sein. Bitte keine lebenden Küchlein backen!
²) Schillers Wortwahl in der „Glocke“. Mir ist bekannt, daß es inzwischen keine züchtigen Hausfrauen mehr gibt.

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2 Responses to Buch der Woche: Äpfel, Nuß und Mandelkern

  1. Arminiastern * sagt:

    wo kann man das legobuch kaufen? ich will das haben!!!

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