6062 — Der grüne Schild

Diesen Schild gibt es nämlich nicht. Man könnte sich fragen, weshalb nicht, denn die Kleine Burg 6073 wird ja von grünweißen Wimpeln geziert. Also wären Schilde mit grünem Rand gar nicht so abwegig gewesen, sie waren aber blau. Ange- sichts der sonstigen Kolorierung der Adlerritter muß man diese Farbwahl natürlich begrüßen. Und ob der Mensch, der mit der Zeichnung der Bauan- leitung von Set 6062, Belagerungsturm mit Burg- mauer, betraut war, überhaupt an die grünen Wimpel der kleinen Burg gedacht hatte, muß offen bleiben; man darf es aber sogar bezweifeln.

Denn auf dem Turm der Wehrmauer weht inzwischen eine blaue Fahne, wie auch beim zwischenzeitlich erbauten Ritterschloß 6074 von grünen Fahnen nichts mehr zu sehen ist. Der grüne Rand des Schilds auf der Bauanleitung ist also wahrscheinlich ein simpler Fehler, der bei den Helligkeitswerten von grün und blau verständlich und verzeihlich ist. Als solchen faßte ich ihn jedenfalls damals auf, als ich im Jahre 1987 das Set geschenkt bekam. Daß es diese Bauanleitung auch mit abgebildetem blauen Schild gibt, erfuhr ich erst, als ich etwa 13 Jahre später versuchte, das Set noch einmal mit Originalkarton zu ersteigern, was mir nach einigen vergeblichen Versuchen schließlich gelang. So sah das dann aus (Bilder = Links):

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Naja, gut, nicht sehr spektakulär. Die Farbe des Schilds wurde halt berichtigt, und das Format ist etwas anders. Die erste, grüne, Version ist 21 cm hoch, während die zweite, blaue, Version bloß noch 20,2 cm mißt. Das fiel mir auch grad erst auf, während ich das hier schrieb. (Ganz so, wie oben abgebildet, sah es übrigens nicht aus, denn meine eigene BA von damals ist gelocht. Schluchz.)

Doch dann fiel mir durch Zufall ein weiteres Exemplar des Sets in die Hände, und Erstaunliches trat zutage. Denn der Karton enthielt nebst der ungelochten Bauanleitung mit grünberändertem Schild auch dieses Beilageblatt (Vorder- und Rückseite, Bilder = Links, wie immer):

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Es hatte also neben dem grünen Schild noch weitere Fehler in der BA gegeben. Das war mir als Kind gar nicht aufgefallen, und den Korrekturzettel hatte ich damals nicht. Brauchte ich ja auch nicht. Jedoch lohnt es sich, nun die beiden Bauanleitungen doch mal genauer zu vergleichen. Bei der Printnummer geht es schon los.

Die grüne Anleitung trägt die Nummer 120583, die blaue ist 120649. Das Beilageblatt hat die Nummer 120648, was den Schluß zuläßt, daß Korrekturzettel und berichtigte Bauanleitung etwa gleichzeitig gedruckt wurden. (Die Nachfolgenummer der grünen Anleitung, 120584, gehört übrigens Robin Hoods Geheimversteck 6066.) Wenn man nun wüßte, welches Druckwerk aus dem Hause Lego die Nummer 120650 trägt, ließe es sich ungefähr eingrenzen, wann ihnen der Fehler aufgefallen ist.

(Ich durchwühle also nun meine Bauanleitungen auf der Suche nach Nummern, die in die Nähe von 120650 kommen. Aha, nach meinen Recherchen fiel es ihnen auf, ehe sie die Bauanleitung für den Space-Rider 6876 mit der Nummer 120655 druckten, ein 1988er Set. Näher komme ich nicht ran, da ich die übrigen Raumfahrtsets des Jahrgangs nicht besitze. Ist ja auch egal.)

Während also eine frische Bauanleitung gedruckt wurde, wurden entweder den bereits produzierten und noch auf die Verpackung wartenden Sets weiterhin die fehlerhaften Anleitungen nebst Korrekturblatt beigelegt. Oder aber das Korrekturblatt wurde all jenen zugeschickt, die sich beim stets kulanten Lego-Service über die Ungereimtheiten der Bauanleitung beklagten. Die Unterschiede zur überarbeiteten Fassung sind wie folgt (Bilder, Links, wie immer):

In Schritt 1 wurde eine Draufsicht der Plattenanordnung für nötig befunden, und in Schritt 3 hatte man zuvor ohne Hilfe bemerken müssen, daß auch rechts ein Pfeiler neu hinzugekommen war. Weiter:

Ich erinnere mich noch, wie ich am Ende in der Tat vergeblich zwei 1×1-Steine suchte, die ich in Schritt 12 fälschlich anstelle der 2×1-Dachsteine eingebaut hatte. Insofern hatte die Überarbeitung des Bauschritts also ihre Berechtigung, auch wenn ich schließlich selbst auf den Trichter kam. Das war aber jetzt schon übernächstens. Nächstens wäre dies gewesen:

Der Hinweis aus dem Beipackzettel, daß das Gebilde in Schritt 4 nicht unten angesägt zu werden braucht, gilt wohl beispielhaft auch für die Schritte 5 bis 9, die abzubilden ich mir hier ebenfalls schenke. Jedenfalls fanden diese sechs Bauschritte in der ersten Version selbdritt auf zwei Seiten Platz, während in der Neufassung nur noch zwei Schritte auf eine Seite passen, also eine Seite mehr gebraucht wird. Dies führt dazu, daß das Übersichtsbild, das am Schluß des Heftchens Belagerungsmaschine und Wehrmauer zeigt, in der Neufassung entfallen muß. Die Urfassung zeigte demnach im Querformat dies:

Komma, während die neue Anleitung bereits mit Schritt 14 – „Hissen der Flagge und Bemannung der Zinne!“ – endet:

Fazit:
Entdeckungen wie diese machen das Sammeln reiz- und den Erwerb mehrerer Exemplare ein und desselben Sets sinnvoll.

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