Buch der Woche: Open – Das Selbstporträt von Andre Agassi

Vorweg gesagt: Nicht immer hält ein Buch, was das Titelbild verspricht. Wer ein Buch kaufte, weil es so hübsch aussah auf dem Ladentisch, der wird nicht selten enttäuscht. Warum sollten im Lego-Universum andere Maßstäbe gelten?

(Hier ist es angebracht, eine Klammer zu öffnen. Denn selbst- verständlich gelten im Lego-Universum andere Maßstäbe. Die schiere Geometrie von Lego-Stein und Lego-Figur macht es nötig, den Maßstabsbegriff zu überdenken. Eine Minifig ist ca. 4,25 cm hoch aber 2,25 cm breit. Auf die wirkliche Welt übertragen wäre somit ein Mensch von 178 cm Körpergröße ungefähr 94,24 cm breit. In Ausnahmefällen mag das zutreffen, aber in der Regel ist ein Mensch doch deutlich höher als er breit ist. Außer an Karneval. Doch wie dem auch sei. Die hier vorgestellten Lego-Bücher reichen einer Minifig bis unter die Achsel, was im wahren Leben kein häufig anzutreffendes Verhältnis von Bücher- zu Körpergröße ist. Man sieht also: Im Lego-Universum gelten andere Maßstäbe. Klammer zu.)

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Das heutige Buch erweckt auf den ersten, ja sogar noch auf den zweiten Blick den Eindruck, als handele es sich um ein Tagebuch. Als sei es von einem jungen Mädchen, das gerade die ersten süßen Erfahrungen mit der Liebe macht, mit einem zarten Schmetterling verziert worden, als Ausdruck dieses unbeschreiblichen Gefühls im Bauch, das aber doch mit noch unsicheren Worten in ebensolcher Schrift in diesem Tagebuche festgehalten zu werden sucht.
Doch abgesehen von der Schrift erfüllt der Inhalt des Buches die Erwartung nicht.

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Der Leser nimmt erstaunt zur Kenntnis, daß es sich in der Tat um die Autobiographie von Andre Agassi handelt, dem Ausnahmesportler aus den USA, der alles gewann, was es zu gewinnen gibt, sogar zwischenzeitlich die Liebe von Brooke Shields. Und der doch im Herzen unglücklich war, denn er haßte seinen Sport, so schreibt er. Zum Tennisspielen habe ihn sein Vater gezwungen, ihm den Siegeswillen im Tennisinternat von Nick Bollettieri einbleuen lassen. Die Turniersiege, 60 an der Zahl, alle vier Grand-Slam-Turniere darunter: Unter Schmerzen errungen, körperlichen wie seelischen. Das Buch will uns glauben machen, daß er viel lieber Badminton gespielt hätte. Nach dem Ende seiner erfolgreichen Karriere vermißte er den Tennissport nicht; denn die Liebe ereilte ihn erneut. Ausgerechnet Steffi Graf, sein weibliches Pendant im Tennis-Zirkus, zumindest was die Erfolge angeht, trat in sein Leben. Mit ihr kam das Glück, nicht zuletzt in Person zweier gemeinsamer Kinder. Wenn das kein Grund ist, sein Tagebuch mit einer Farfalla-Nudel zu schmücken!

Wie anders die Lego-Welt funktioniert, zeigt sich auch am Scala-Set 3242. Darin nimmt nämlich die Protagonistin das Buch zum Schmökern mit in die Wanne. Doch im Set gibt es gar keine Wanne!

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One Response to Buch der Woche: Open – Das Selbstporträt von Andre Agassi

  1. joachimsmueller sagt:

    Brilliant (vor allem das in der Klammer)!

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