Buch der Woche: Kabale und Liebe

Klick mich nicht, ich bin kein Link! Heute vor aufreizend vielen Jahren wurde Friedrich Schiller geboren. Genau, das ist der andere. Goethe war älter, lebte auch länger und hat insgesamt mehr Renommé. Goethe pwned Schiller, um es mal in der Sprache unserer Zeit zu sagen. Goethedenkmäler schillern durch die Bäume. Goethe war Namensgeber eines weltumspannenden Instituts, Schiller lediglich einer Locke. Schillers „Handschuh“ geht nicht über Goethes „Faust“. Aber Schluß mit Goethe, wir wollen Schiller ja hier nicht bashen. Der war schon auch gut und natürlich auch bedeutend. Was wäre die Schweiz ohne Schiller? Was wüßten wir über den Dreißigjährigen Krieg ohne den „Wallenstein“-Zyklus? Wie hieße die Universität in Jena? Und was wären Kabale und Liebe ohne den Stürmer und Dränger aus Marbach? Und was ist überhaupt Kabale?

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Ur wurde dieses bürgerliche Trauerspiel 1784 aufgeführt. Es geht um Liebe, Tod und fiese Intriganten. Heute läuft so etwas täglich am frühen Nachmittag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, weshalb es eigentlich überflüssig ist, den Inhalt in Einzelheiten darzustellen. Kurz gesagt lieben sich welche, die aber nicht dürfen, von anderen verehrt werden, die wiederum aber auch nicht dürfen, weil dritte und vierte Parteien was dagegen haben, und am Ende sind alle tot. In Frage gestellt werden die dubiosen Gründe für dieses alberne Nichtgedürfe, welches auf den (zu Schillers Zeiten offenbar virulenten) Konflikt zwischen Standesbeschränkten, sowie auf verschiedene Inter- pretationen von Moral und Sittlichkeit zurückgeführt wird. Die Bürgerlichen sind moralgefestigt aber machtlos, während der Adel zu mächtig ist, als daß er sich um irgendwelche Moral scheren müßte. In diesem Spannungsfeld (ein Wort, das in diesem Zusammenhang nicht fehlen darf) werden die Liebenden über zumeist fünf Akte hinweg genüßlich zerrissen.

Bevor es zum Sport wurde, Literatur zu verfilmen, wurden erfolgreiche Dramen und Romane veropert. So geschehen auch mit „Kabale und Liebe“, und zwar durch Giuseppe Verdi himself. Zu diesem Zwecke unterbrach ein gewisser Salvatore Cammarano sein Fußballtraining und verfaßte ein Libretto unter dem Titel „Luisa Miller“, der Hauptfigur. (Ein Libretto ist das Drehbuch einer Oper, wenn man so will. Und das will ich.) Auch Lego trug diesem Umstand rechnung und nahm das Libretto in seine Bibliothek auf:

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Man sieht schon, der Inhalt ist ähnlich, lediglich wurden aus dramaturgischen Gründen einige Teile ein wenig umgestellt.

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Die Druckfassung des Dramas bereichert die Hausbibliothek der Villa 3290, während das wohlerzogene Kind, von der Mailänder Scala träumend, auf dem Gabentisch des Sets 3108 das Libretto vorfindet.

250 Jahre übrigens. Glückwunsch, Fritz!

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One Response to Buch der Woche: Kabale und Liebe

  1. Ein toller Beitrag!
    Nur das Buch, nunja. Ich denke, wenn Schiller nicht später noch bessere Werke nach diesem Erstlingswerk geschrieben hätte, wäre dieses Buch da verschwunden, wo es meiner Meinung nach hingehört: In der Versenkung.

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