Buch der Woche: Die Kinder aus Bullerbü

Daß Astrid Lindgren viel zu früh verstarb, nämlich bereits im Januar 2002, ist ja hinlänglich beklagt worden. Daß sie nie den Nobelpreis erhielt, ebenfalls. Doch an diesen tristen Gedanken wollen wir uns gar nicht lange aufhalten, denn ihr Werk ist geprägt von Zuversicht und Humor, und kaum jemand verstand es wie sie, Kinder ernstzunehmen. In ihren Büchern wird nichts ausgelassen, die kleinen Leser werden nicht verzärtelt, sie werden nicht vor traurigen Ereignissen verschont. Da gibt es Waisenkinder, Kinder, die in verlauster Armut aufwachsen, mit saufenden Vätern, ja sogar Kinder, die todkrank sind und sterben. Doch Astrid Lindgren läßt nicht zu, daß wir darüber lange weinen, denn selbst in der verzweifeltsten Lebenslage können sich ihre Helden noch auf Freundschaft, Mut und Gutherzigkeit verlassen, niemand fällt ins schwarze Loch, der nicht mindestens in Nangijala wieder aufwacht. Zur Not auch in Nagilima. Die Welt von Astrid Lindgren ist gut.

Mit am besten ist sie aber unzweifelhaft in Bullerbü, einem winzigen Ort mit drei Häusern in, natürlich, Südschweden, zu einer Zeit, als die Bauern noch mit Ochsen pflügten und Kinder den ganzen Sommer über barfuß herumliefen, ohne daß ihre Eltern immer so genau wußten, was sie gerade anstellten. Und wenn sie was anstellten, war es auch kein Weltuntergang. Sonnenklar, daß dieses Paradies für Kinder auch von Lego nicht unbemerkt blieb, weshalb man in Billund dieses Buch druckte:

Leider sind in meiner Ausgabe, die natürlich aus der Bücherkiste vom Flohmarkt stammt, die Seiten etwas durcheinandergeraten. Das rechte Bild müßte das linke sein, denn los geht es natürlich mit den hinrei- ßenden Worten:

Ich heiße Lisa. Ich bin ein Mädchen. Das hört man übrigens auch am Namen.

Das linke Bild, das mit dem Hund, gehört nämlich zu der Geschichte wie Ole seinen Hund bekam, die ich hier kurz nacherzählen möchte.

Abseits des Ortes Bullerbü wohnt der Schuster, welcher Nett heißt, es aber nicht ist. Da er so allein ist, säuft er viel, ist mürrisch und hat einen Wachhund, einen scharfen Köter namens Swipp, der immer an seiner Hundehütte angebunden ist. „Das arme Vieh“, denkt da nicht nur der mitfühlende Leser, sondern auch Ole, der Junge vom Südhof. Der Knabe kann gut mit Tieren, und darum bringt er dem fiesen Köter, der alle Kunden des Schusters böse anknurrt und anbellt, immer einen Knochen mit, wenn er mal wieder kommt, um Schuhe abzuholen. Und er muß oft kommen, denn der versoffene Schuster braucht für son Paar Schuhe immer unverhältnismäßig lange. Ole schafft es, daß Swipp ihn nicht mehr anknurrt, und als Nett sich einmal den Knöchel verknackst und es nicht nach draußen zur Hundehütte schafft, um dem Tier sein Futter zu geben, fragt Ole, ob er sich nicht darum kümmern könne, solange der Schuster verhindert ist. Der hat nichts dagegen, und Ole bindet Swipp als erstes mal von der Hundehütte los, um mit ihm spazieren zu gehen. Jeden Tag gehen Ole und Swipp nun nach der Schule spazieren, und aus dem knurrigen Köter wird ein fröhlicher Hund, so lange, bis des Schusters Knöchel wieder verheilt ist. Damit wäre es mit der neugewonnenen Freiheit für Swipp beinahe vorbei gewesen, ja, wenn nicht Oles Vater den Hund für Ole gekauft hätte.

Eine Gechichte ohne Action und Spannung, könnte man meinen, aber als Kind habe ich mich dabei nicht gelangweilt. Die Kinder aus dem Scala-Haus 3119 langweilten sich ganz bestimmt auch nicht, als ihnen aus diesem Buch vorgelesen wurde.

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