Buch der Woche: Äsops Fabeln

Unlängst hielt ich mal wieder mein altes Lateinbuch in Händen, schlug es auch auf, was direkt dazu führte, daß einige lose Seiten heraus- bröselten. Fadenbindung und 11jährige discipuli (Schüler) vertrugen sich offenbar nicht. So lag also vor mir ein Buchfragment mit einem Übungsstück, und ich las: De simia gloriosa. Ich will nun niemanden mit Latein quälen, vor allen Dingen nicht mich. Auch muß ich gestehen, daß ich die Geschichte nicht mehr Wort für Wort übersetzen konnte; aber für eine freie Nacherzählung auf Deutsch langt’s. Also lautend:

„Der prahlende Affe. (De simia gloriosa)

Die Griechen pflegten auf ihren Seereisen Affen mit sich zu führen, um, mangels Satellitenfernsehens, etwas zu ihrer Erheiterung bei der schweren Arbeit zu haben. Einst begab es sich, daß ein Schiff unweit von Kap Sunion in schweres Wetter geriet und schließlich kenterte. Poseidon, der alte Zackenbarsch, zeigte sich gnädig und entsandte Delphine, von jeher den Menschen zugetan. Die Delphine bewahrten viele der um ihr Leben strampelnden Seeleute vor dem Tod, indem jene diese auf ihren Rücken nahmen und in flachere Gewässer trugen. Einer dieser Delphine ließ statt eines Seemanns jedoch, in verzeihlicher Unkenntnis des Unterschieds, den Bordaffen auf seinen Rücken klettern. Als sie sich Athen näherten, frug der Delphin seinen Passagier, ob er, Passagier, denn aus Athen stamme? Der Affe bejahte dies und fügte wichtig hinzu, daß er dortselbst viele berühmte Vorfahren habe. Desweiteren frug der Delphin, ob er dann auch den Piräus kenne? Der Affe rühmte sich daraufhin, daß Piräus einer seiner engsten Freunde sei. Da erst merkte der Delphin, daß er statt eines Menschen einen einfältigen Affen aufgesammelt hatte, und tauchte ab.“

Soweit dies. Auf die Pointe mit Piräus wird auch in Asterix-Band XII „Asterix bei den Olympischen Spielen“ angespielt. Und ohne jeden Zweifel hatte der Lego-Verlag diese Fabel ebenfalls im Sinn, als er dieses Druckwerk in die Buchhandlungen brachte:

Gut, ich gebe zu, der Autor mag auch die Fernsehserie „Flipper“ vor Augen gehabt haben, oder gar ein Lehrbuch für Hochseeaquaristik, falls ich mir das nicht grad selbst ausgedacht habe. Leider ist der Text, welcher uns Aufschluß über die Hintergründe zu bieten im Stande wäre, nicht einfach zu lesen, weil etwas verwässert. Es möge sich jeder selbst ein Bild machen. Ursprünglich in Set 3142 enthalten, ist das Buch inzwischen vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich. Viel Spaß beim Lesen!

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