„Soll Produkt rein?“

24. März 2012

Häh?

Mit Friseuren zu kommunizieren, ist echt nicht einfach. Das geht schon mit der Frage los: „Wie soll’s denn geschnitten werden?“ Ja kurz, halt. Gründend auf langjährige Erfahrung habe ich mir inzwischen eine Anweisung zurechtgelegt: Sommerlich kurz (ja, auch im Herbst), Ohren frei, Nacken anschneiden. Die meisten Figaros schaffen es dann, tatsächlich – wie verlangt – die Haare zu kürzen. Manche hingegen wollen noch irgendwie ihrer kreativen Seite Ausdruck verleihen und stellen unsinnige Fragen, wie eben: „Soll Produkt rein?“ Häh? Ja, ich wiederhole mich. Es dauerte aber auch einige Bruchteile einer Sekunde, bis ich schnallte, was gemeint war, und antworten konnte: „Nee, nich’ nötig.“ Als ob Haargel geeignet wäre, aus meinen Haaren eine Frisur zu machen; da ist die genetische Disposition vor. Von der Krankenkasse wird es nicht anerkannt, aber ich bin haarbehindert. Und dann kommt der Friseur und foppt mich!

Draußen zwitschert’s. Frühling!


Buch der Woche: Il milione

10. März 2012

Welcher verknöcherte Rohrstockpädagoge hat eigentlich die Behaup- tung aufgestellt, Comics seien Schund und würden die Kinder daran hindern, Bildung in sich einzusaugen? Ich persönlich habe meine ganze – naja, einen wahrnehmbaren Teil – meiner Bildung aus Comics. Und durchaus nicht nur aus Asterix, dem die Lateinlehrer ja zumindest noch eine Gateway-Funktion zuschreiben. Nein, auch Lustige Taschenbücher sind geeignet, den Horizont des Lesers zu erweitern. Warum auch nicht. Immerhin ist Dr. Erika Fuchs, in Deutschland weltberühmt für ihre Donald-Duck-Übersetzungen, sicher nicht zu Unrecht Inhaberin ihres akademischen Grades. Und der langjährige Chefredakteur des ehapa-Verlags, Adolf Kabatek, ließ seine persönliche Bildung auch gerne in die von ihm betreuten Comic-Ausgaben einfließen. Aber auch die Vorlagen der gar lustigen Taschenbücher orientieren sich thematisch oft an Literatur- und Kulturgeschichte. So!

Im Jahre 1987 griff das 119te LTB Marco Polos Reisebeschreibung „Il milione“ auf und versetzte diese nach Entenhausen. Genauer gesagt in Onkel Dagoberts neues Filmstudio, für das er sich von Micky Maus kostengünstig (= -los) das Drehbuch für einen prestigeträchtigen Debutfilm schreiben läßt. Es ist ein Technicolor-Film, denn sensationeller- weise sind seit jener Ausgabe 119 die Lustigen Taschenbücher auf jeder Seite farbig. Besetzt wird der Film natürlich mit Familienmitgliedern.

Der Venezianer Marco Polo reist mit Vater und Onkel entlang der Seidenstraße durch den vorderen und mittleren Orient, um schließlich fern von Entenhausen eine geraume Zeit am Hofe des Mongolen- herrschers Kublai Khan zu verbringen. Die wackeren Enten erleben viele Abenteuer, sehen merkwürdige Dinge und erwerben uner- meßliche Reichtümer, ehe sie die Heimreise antreten. Zu Hause angekommen, können sie von fadenförmigen Nudeln berichten, von Geld aus bedrucktem Papier, von Feuerwerk und einer Nadel, die immer in dieselbe Richtung weist. Spannend und informativ ist das alles, nicht nur für Marcos Zuhörerschaft, sondern auch fürs comiclesende Kind.

Und was ist die zweite Säule einer erfolgreichen Kindererziehung? Richtig, Lego. Lego setzte fast 750 Jahre später seine eigene Orient-Expedition ins Werk. Die Reiseroute Johnny Thunders, der Hauptfigur in Legos Abenteurerserie, erinnert stark an Marco Polos Weg durch Asien und führt ebenfalls nach China. Denn natürlich haben auch die Set-Entwickler im Hause Lego Marco Polos Reisebericht „Il milione“ gelesen, zumindest aber das Lustige Taschenbuch.

Die einzelnen Teile der Karte entstammen in der gezeigten Reihenfolge den Sets 7418, 7417 und 7419. Gute Reise!


Ein Rhombenkuboktaeder.

28. Februar 2012

Wußte ich bis eben auch nicht, was das ist. Nee, andersherum: Ich wußte nicht, daß es das gibt. Nee, noch anders, ich wußte, daß es das gibt, aber nicht, wie es heißt. So, jetzt habe ich’s. Ich habe es sogar schon länger, und zwar seit Jahren in meinem Besitz. Überdies baute ich sogar mal einen, weil so ein 26-seitiger Würfel nämlich den Kern eines Herrnhuter Sterns bildet, und einen solchen mußte ich mal in der Schule basteln, aber darum soll’s gar nicht gehen. In meinem Besitz befindet sich dieser eigenartige Würfel, den mir mein Opa irgendwann mal überließ:


Ich ärgere mich heute, ihn nicht gefragt zu haben, was denn damit gespielt werden soll, was es mit den merkwürdigen Buchstaben auf sich hat, und wo er den überhaupt herhabe? Nun fand ich das Spielgerät beim Aufräumen wieder und begann zu recherchieren. Und anscheinend stehen alle, die so einen Würfel in die Hände bekommen, erstmal ratlos da. Nämlich bei allen zwei brauchbaren Quellen, die meine Suche ergab. Die BoardGameGeeks wußten’s nicht, und im Niedersächsischen Landesmuseum wußten sie’s auch erst nicht, haben aber erfolgreich recherchiert. Ein Trinkspiel also. Wie man es spielt, weiß ich zwar immer noch nicht, aber so sieht der Würfel aus:
SZ = „Setze zu!“
Was bedeutet das? Wahrscheinlich, daß man seinen Einsatz machen muß, gemäß der zuvor oder danach gewürfelten Augenzahl.


NG = „Nimm Ganz!“
Der Jackpot? Man darf den kompletten Einsatz auf dem Tisch einsacken?


ND = „Nimm Deins!“
So holt man sich seinen eigenen Einsatz zurück? Dann müssen die Einsätze aber so getätigt werden, daß erkennbar bleibt, was von welchem Mitspieler stammt.


LS = „Lasse stehen!“
Eine Runde aussetzen?


NH = „Nimm Halb!“
Die Hälfte des Jackpots sei mein? Prima, dann hoffen wir, daß es eine gerade Anzahl … was eigentlich? ist.


TA = „Trink aus!“
Das ist offensichtlich der Sinn des ganzen Spiels.

Naja, so ganz erschließen sich mir die Regeln noch nicht, aber egal. Mit briefwaagengewogenen 70 Gramm wiegt der Würfel übrigens über- raschend schwer in der Hand, entsprechend laut poltert er auch über die Tischplatte. Da er offenbar bereits im 19ten oder zumindest zu Beginn des 20sten Jahrhunderts hergestellt wurde und mal meinem Großvater gehörte, werde ich den Würfel in Ehren halten. Viele Trinkspiele sehe ich mich jedoch nicht mit ihm bestreiten.


Ich war zwei Zypressen.

27. Februar 2012

Neben dieser vorromanischen Palastaula, die im Original nahe Oviedo in Nordspanien steht und als Lego-Nachbau in meiner Behausung, wach- sen zwei ranke Zypressen. Jedenfalls auf dem Bild. Und auch auf vielen Bildern, die dieses Lego-Bauwerk auf Ausstellungen zeigen, zum Beispiel in Frechen, in Berlin, in Skærbæk und im Wolfsburger Phaeno, wovon es ausgerechnet keine Bilder im Internet zu geben scheint. Die Zypressen sehen filigran aus und sind es auch, was ihnen aber bei sicherem Stand nichts ausmacht, denn innertürs weht kein Wind. Problematisch für so einen Lego-Baum ist vielmehr der Transport, den ich aber mittels ausgebuffter Technik bruchsicher zu gestalten wußte:

Zypresse an der Spitze und knapp oberhalb der Wurzel festhalten, dann mit wohldosiertem Ruck von der Platte lösen; noch einmal sanft in Stammrichtung von beiden Seiten festdrücken und ins Innere der Aula auf eines von zwei bereitliegenden, zur Hohlkehle gekrümmten DIN-A4-Blätter legen, mittels derer man den Baum dann leicht wieder herausheben kann.

Das war der Plan. Den hätte ich bei der letzten Reise der Bäume mal besser öffentlich ausgehängt, denn während der Ausstellung im Phaeno wurden die Bauwerke in meiner Abwesenheit einmal umgruppiert. Schieb, ruckel, zack! Die Bäume fielen natürlich um und zersplitterten. Kann ja passieren. Meine Freundin hat das dann notdürftig repariert und die Bäume auch einigermaßen gut wieder hinbekommen. Aber beim Abbau, wiederum in meiner Abwesenheit, dasselbe: Bauwerk angehoben, um es in eine Kiste zu stellen – die Bäume waren gefällt.

Wie gesagt, das kann passieren, ich nahm’s auch niemandem übel. Allerdings bestätigt sich durch derlei Vorkommnisse, daß besser nur der Erbauer selbst einen Lego-Eigenbau bewegt.
Jedenfalls lagen die Bruchstücke dieser Zypressen dannach zwei Jahre bei mir herum und staubten zu, weil ich keinen Bock hatte, sie wieder aufzubauen. Totholz, sozusagen. Bis ich mich nun endlich entschloß, den Krempel ordentlich zu zerschreddern. Und es ist doch erstaunlich, wieviel Material zwei so dünne Bäumchen verschlingen:

Ein Studium der enthaltenen Teile läßt durchaus Rückschlüsse auf die Bautechnik zu. Man hatte mich zwar verschiedentlich um ein Making-of dieser Zypressen gebeten, aber irgendwie war ich nie dazu gekom- men. Nun denn.


Valentinstag.

14. Februar 2012

(Das Perfide an diesen kommerziellen Feiertagen ist ja, daß man sie aktiv ignoriert, also eben doch zur Kenntnis nimmt. Und Worte darüber verliert, ohne sich die Mühe zu machen, diese wieder einzusammeln.)


Carcassonne-Spielfiguren

3. Februar 2012


Wie mir die Suchwortstatistik andeutet, wird bisweilen nach den Spielfiguren von Carcassonne gefragt. Na gut. Das obere Bild, welches sich übrigens durch Anklicken vergrößert, zeigt in dieser Reihenfolge:

• Gefolgsmann aus Cardcassonne, dem Kartenspiel. Gibt es auch in Reise-Carcassonne.
• Gefolgsmann aus Carcassonne, dem Schicksalsrad und Die Baumeister des Königs.
• Bürgermeister aus Abtei und Bürgermeister.
• Großen Gefolgsmann aus der Erweiterung.
• Männeken aus Die Kinder von Carcassonne.
• Jäger und Sammler aus Die Jäger und Sammler.
• Gefolgsmann aus Carcassonne – Die Stadt.
• Gefolgsmann aus Carcassonne – Neues Land.
• Gefolgsmann aus Carcassonne – Mayflower.
• Das Schweinchen aus Händler & Baumeister.
• Den Baumeister aus Händler und Baumeister.
• Den Wagen aus Abtei und Bürgermeister.
• Den Gutshof aus Abtei und Bürgermeister.
• Die Hütte aus Die Jäger und Sammler.

Soweit die Holzfiguren. Neuerdings gibt es ja auch noch die durch- sichtigen Acrylfiguren aus der Jubiläumsedition, dem Phantom und der Schule:

Sodann bevölkern weitere Figuren das Land um Carcassonne:

• Der Drache aus Burgfräulein und Drache.
• Die Fee aus Burgfräulein und Drache.
• Der Graf von Carcassonne aus Der Graf von Carcassonne.
• Das Glücksschwein aus dem Schicksalsrad.
• Ein Landvermesser aus Carcassonne – Mayflower.

Weiterer Holzkrempel, der während des Spiels bewegt wird, ist dieser:

• Das Katapult aus Das Katapult (hinten).
• Die Brücke aus Brücken, Burgen und Basare.
• Ein Turmteil aus Der Turm.
• Mauerteil, Stadttor, kurzes Ausgleichsstück und Türmchen aus Carcassonne – Die Stadt.
• Abdeckplättchen für Die Jäger und Sammler (davor in grün).

Die Teile für Carcassonne – Die Burg stechen etwas heraus. Es gibt jeweils für die weiße und schwarze Seite Gefolgsleute und einen Pallas:

Die Gesamtschau zeigt nur exemplarisch die gelben Figuren. Alles, was hier gelb ist, gibt es auch mindestens in blau, grün und rot, einiges auch in schwarz und grau, nämlich die Figuren fürs eigentliche Carcassonne-Spiel:


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